Herr Waldmeier, die Geburtenrate in der Schweiz ist historisch tief. Warum war das für 20 Minuten genau der richtige Moment, diesen Bürgerdialog mit BrainE4 zu machen?
Es ist ein gesellschaftliches Megathema – in der Schweiz, aber auch weltweit. Das sieht man etwa daran, dass der französische Präsident mit einem Brief an die Bevölkerung gegensteuern will. Das Thema strahlt in fast jede politische Debatte aus. Es betrifft zudem stark die junge Generation, und 20 Minuten ist ein Medium, das sich insbesondere auch an Jüngere richtet.
«Es geht darum, dass man Argumente nach Wichtigkeit und Konsens sortieren kann.»
Klassische Umfragen zur Familienpolitik gibt es ja schon viele. Was hat Sie an der BrainE4-Methode überzeugt, hier einen anderen Weg zu gehen?
Das war sicher das Partizipative: dass man die Community einbezieht und Leute ihre Ideen selbst einbringen können – verbunden mit der Hoffnung, auf Argumente zu stossen, die man sonst übersehen hätte. Bei politischen Debatten ist es ja oft so, dass die Narrative bereits bekannt sind, weil sie von den grossen Parteien gesetzt werden.
Wir waren im Jahr 2014 auch das erste Medium, das zusammen mit LeeWas eine grosse Online-Leserumfrage im Vorfeld der Abstimmung über die Masseneinwanderungsinitiative lanciert hatte. Wir schauen also immer, ob es in dem Feld innovative Ideen oder Methoden gibt.
«Wir schauen immer, wo es innovative Ideen gibt, die spannend sein könnten.»
Wie haben Sie die Einladung kommuniziert? Was hat die meisten Teilnahmen angetrieben?
Was bei uns auf der Startseite platziert ist, wird gesehen. Wir haben zum Start einen Artikel erstellt, der das Projekt vorgestellt hat. Die Methodik wurde in einem Gespräch mit den beteiligten Mathematik-Professoren verständlich erklärt. Und wir haben den Bürgerdialog mit einem Newsticker begleitet.
«Diejenigen, die mitgemacht haben, waren sehr involviert.»
1'760 Teilnehmende, 1'635 eingebrachte Ideen, 111'015 Ideenduelle, gespielt innerhalb von zwölf Tagen. Wie schätzen Sie diese Zahlen ein?
Gemessen an der Reichweite von 20 Minuten sind sie nicht überragend. Was man aber sieht: Diejenigen, die mitgemacht haben, waren sehr involviert. Das zeigt sich an der hohen Zahl an Ideenduellen, eingebrachten Ideen und Argumenten.
«Ein super spannendes, innovatives Tool mit einer intelligenten Crew dahinter.»
Haben Sie Reaktionen von Berufskolleginnen und -kollegen oder aus Ihrem privaten Umfeld bekommen?
Auf der Redaktion gab es zu reden. Der Tenor war: Das ist eine innovative Form, sich mit einem politischen Thema in der Tiefe auseinanderzusetzen, ohne sich politisch zu positionieren. Es geht ja darum, Argumente nach Wichtigkeit und Konsens zu sortieren. Man versucht herauszufinden, wo es Schnittmengen gibt, wo ein Kompromiss möglich wäre. Darum geht’s letztlich in einer Demokratie.
Hat Sie etwas überrascht?
Im Schlussbericht stehen finanzielle Argumente stark im Vordergrund. Das deutet darauf hin, dass der Leidensdruck bei jungen Familien relativ gross ist, ähnlich wie bei Krankenkassenprämien in klassischen Umfragen. Ich hätte erwartet, dass gesellschaftliche Gründe für die tiefe Geburtenrate stärker im Vordergrund stehen.
«BrainE4 ermöglicht, dass alle ihre Ideen und Argumente einbringen können.»
Gibt es etwas, das BrainE4 kann, was andere nicht können?
Bei einer grösseren Zielgruppe ermöglicht BrainE4, dass alle ihre Ideen und Argumente einbringen können. Die Argumente werden sich im Wettstreit entgegengestellt. So lassen sich Ideen nach Wichtigkeit und Zustimmung clustern. Spannend ist es dort, wo beide Dimensionen hohe Werte erreichen.